Die Gemeinde Oradour-sur-Glane, Departement Haute Vienne im Limousin, beging am 1. und 2. September 2017 ein Wochenende der Freundschaft und der Jugend Europas. Der Regierungsbezirk Mittelfranken war als Partner des Limousin eingeladen. Etwa 200 Teilnehmer aus dem Landkreis Fürth und anderen fränkischen Kommunen waren der Einladung gefolgt. Auch aus Dachau reiste eine Basketball-Damenmannschaft an, die gegen Oradour ein Spiel austrug.

Zusammen mit Teilnehmern aus Eckentals Partnerstadt Ambazac reiste eine Gruppe von 12 Personen an, darunter der Bürgermeister Stéphane Ché.

Eine große Reihe namhafter deutscher und französischer Politiker gaben der Veranstaltung einen gewichtigen Rahmen.

Im Mittelpunkt des Programms stand an beiden Tagen die Aufführung des Musicals „Mademoiselle Marie“. Die Versöhnung zwischen den Völkern war dabei das vorherrschende Merkmal der symbolträchtigen Veranstaltung. Der Applaus für die inzwischen routinierten Laienschauspieler der „Cadolzburger Burgfestspiele“ war überwältigend und schloss mit der in beiden Sprachen gemeinsam gesungenen Europahymne, Beethovens und Schillers „Ode an die Freude“. Dem schloss sich eine Ehrung des einzig noch lebenden Zeitzeugen, Monsieur Robert Hébras an, der das SS-Massaker in Oradour als einer von 6 Männern unter grausamen Umständen überlebte.

Eingangs sprach der Bürgermeister von Oradour, Monsieur Philippe Lacroix, bewegende Worte über die am 10. Juni 1944 begangenen Morde an Männern, Frauen und Kindern, eine Bluttat, die 642 Leben an einem Nachmittag auslöschte und nur Brandruinen hinterließ. Seine Botschaft aber war dennoch die Versöhnung deutscher und französischer Bürger. Die neue Freundschaft, insbesondere die der Partnerschaftskreise zwischen beiden Völkern nannte er als vorbildlich für ein geeintes Europa.

Dem schloss sich Bundesminister Christian Schmidt an und betonte in seiner Ansprache Abscheu und Scham über die verübten Grausamkeiten. Auch er war tief davon überzeugt, dass die private und politische Zusammenarbeit mit der französischen Bevölkerung ein Fundament ist, auf dem wir weiter bauen können.

Das Rahmenprogramm war ebenfalls für die Jugend und Erwachsene ausgelegt. So standen 2 Fahrradtouren mit 44 und 74 km zur Auswahl und auch Wanderer über eine Strecke von 9 km waren sportlich unterwegs.

Ein Nachmittag war der traurigen Erinnerung gewidmet, indem das Memorialmuseum besucht wurde und im Anschluss daran wurden Führungen durch die verwüstete, verlassene Ortschaft durchgeführt. Monsieur Broussaudier, der Sohn eines Überlebenden, war einer der Führer, dessen damals 17jähriger Vater, sich in einer Scheune, bedeckt von Ermordeten, versteckt halten konnte. Die Schilderungen am Tatort waren für alle unfassbar.

Das Wochenende war für die Teilnehmer eine Reise in einen Zeitabschnitt, der Mahnung und Ansporn sein sollte für ein friedvolles Zusammenleben der Nationen und die Achtung der Menschenwürde.

gez. Mary und Günter Nerz

Memorialmuseum

Oradour sur Glane

Oradour sur Glane