Zwei Länder, zwei Wahlsysteme
Demokratie im deutsch-französischen Vergleich
Eckental und Ambazac im Vergleich
Im Rahmen der deutsch-französischen Partnerschaftsbegegnung zwischen Eckental und Ambazac beschäftigten sich deutsche und französische Jugendliche in diesem Jahr intensiv mit dem Thema kommunale Demokratie und Wahlsystemen in Europa. Der Workshop war Teil des Projekts „Demokratie lernen, stärken, leben“, das in diesem Jahr durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert wurde.
Organisiert wurde das Projekt vom Partnerschaftskreis Eckental–Ambazac in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Eckental. Moderiert wurde der Demokratie-Workshop von Helmut Hüttenrauch für den Partnerschaftskreis sowie mit Unterstützung der Französischlehrerin Frau Purrucker vom Gymnasium Eckental.
Ausgangspunkt des Workshops waren die Kommunalwahlen, die im März 2026 sowohl in Eckental als auch in der französischen Partnergemeinde Ambazac stattfanden. Ziel war es, jungen Menschen demokratische Prozesse in Bayern und Frankreich näherzubringen und zugleich das Verständnis für kommunale Mitbestimmung und politische Verantwortung zu stärken.
Damit alle Teilnehmenden den Inhalten problemlos folgen konnten, wurden zweisprachige Schaubilder, Arbeitsmaterialien und Präsentationen vorbereitet. Auch der Workshop selbst wurde deutsch-französisch gestaltet und lebte vom direkten Austausch zwischen den Jugendlichen beider Länder.
Im Mittelpunkt standen die Unterschiede der beiden Wahlsysteme. Während Frankreich zentral organisiert ist und Kommunalwahlen landesweit am selben Tag stattfinden, werden die Wahltermine in Deutschland von den einzelnen Bundesländern festgelegt. In Bayern fanden die Kommunalwahlen am 8. März 2026 statt.
Auch die Wahlsysteme selbst unterscheiden sich grundlegend. In Eckental wählen die Bürgerinnen und Bürger den Bürgermeister direkt für eine Amtszeit von sechs Jahren. Zusätzlich wird auch der Gemeinderat unmittelbar gewählt. In Eckental besteht dieser aus 24 Mitgliedern. Die Wählerinnen und Wähler verfügen dabei ebenfalls über 24 Stimmen, die sie auf verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten verteilen oder einzelnen Personen bis zu dreimal geben können.
In Frankreich hingegen stimmen die Bürgerinnen und Bürger über Wahllisten ab. Die Kandidatinnen und Kandidaten einer Liste gehören dabei nicht zwangsläufig derselben Partei an, sondern vertreten häufig ein gemeinsames kommunales Programm. Die stärkste Liste bestimmt anschließend die Zusammensetzung des Gemeinderats, der wiederum den Bürgermeister – den „Maire“ – wählt.
Anhand konkreter Wahlergebnisse aus Eckental und Ambazac konnten die Jugendlichen die Unterschiede besonders anschaulich nachvollziehen. In Eckental lag die Wahlbeteiligung bei 72,3 Prozent. Da im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, kam es zu einer Stichwahl, die Sebastian Singer (CSU) mit 51,8 Prozent knapp für sich entscheiden konnte.
In Ambazac wurde dagegen am 15. März nach dem französischen Listenwahlsystem gewählt. Charakteristisch ist dort der sogenannte „Mehrheitsbonus“ („prime majoritaire“). Die stärkste Liste erhält automatisch die Hälfte der Sitze im Gemeinderat, die übrigen Sitze werden proportional verteilt. Dadurch bleibt die Opposition zwar vertreten, jedoch deutlich in der Minderheit.
Ein konkretes Beispiel verdeutlichte diesen Effekt besonders anschaulich: Die Liste von Peggy Bariat – der ehemaligen und erneut gewählten Bürgermeisterin von Ambazac – erhielt 50,82 Prozent der Stimmen, bekam durch den Mehrheitsbonus jedoch 22 der insgesamt 29 Sitze im Gemeinderat und damit rund 75 Prozent der Mandate.
Während in Ambazac stabile Mehrheiten vorherrschen, ist die politische Landschaft in Eckental vielfältiger: Dort sitzen 24 Gemeinderatsmitglieder aus sieben verschiedenen Parteien. Koalitionen sind hier daher häufig notwendig.
Zum Abschluss testeten die deutsch-französischen Teams ihr Wissen in einem gemeinsamen Demokratie-Quiz. Vier von fünf Gruppen beantworteten die Fragen erfolgreich. Drei Jugendliche gewannen eine kostenlose Teilnahme an der nächsten Begegnungsfahrt nach Ambazac im Jahr 2027.
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie Städtepartnerschaften junge Menschen für Demokratie, Europa und grenzüberschreitenden Austausch begeistern können. Genau diese Ziele stehen im Mittelpunkt der Förderung durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds.





















