Kennen Sie Ambazac?

Eine Gemeindepartnerschaft wird nur durch persönliche Begegnungen und direkten Austausch der jeweiligen Bewohner mit Leben erfüllt. Besteht sie nur auf dem Papier und werden die Menschen nicht eingebunden, kann sie nicht lange existieren. Eckental und Ambazac werden 2017 ihr 30-jähriges Jubiläum feiern, worüber sich alle Beteiligten sehr freuen. Dass die Partnerschaft so lange Bestand hat, verdankt sie auch Menschen wie unserem Autor hier, der sich für einen persönlichen Besuch in Ambazac entschieden hat, um selbst einmal zu erleben, was Partnerschaft bedeutet. Der Text wurde anlässlich des 5-jährigen Jubiläums verfasst, doch ist er noch immer aktuell. Lesen Sie selbst:

 

Kennen Sie Ambazac? Vous connaissez Ambazac?

Diese etwas provokante Frage stellte mir mein Tischnachbar bei der Oberschöllenbacher Kirchweih vor zwei Jahren. Selbstverständlich ist mir Ambazac sehr gut bekannt, antworte ich ihm, schon leicht beleidigt. Schließlich lesen wir jede Woche aufmerksam unser „Wochenblatt" und außerdem, unser Bürgermeister war schon öfter da, und die von der Gemeinde und immer mit großem Bahnhof, kaltem Buffet usw. Und dann waren ja auch die Franzosen schon öfter hier, auch wieder Empfang, Buffet, Fahnen vor dem Rathaus. Ja, man ist schon gut informiert, stand alles „in der Presse". Und sie, fragte mich Nachbar wieder, kennen sie schon Ambazac? Mein Gott, war der hartnäckig. Guter Mann, sagte ich schon leicht sauer, unsere Feuerwehr war da, deren Feuerwehr war hier, die Angler, die Fußballer, der Sportverein, die Sänger, die Briefmarkenfreunde, Schachspieler und Regenwurmschützer, sogar Schüler, alle waren da und von denen waren alle auch schon hier. War alles zu lesen, ja man ist gut informiert. Erschöpft vom langen Reden schaute ich dann erst einmal in meinen Bierkrug. Mein Nachbar sammelte sich, um mir mit der Frage „und mit welchem Verein fahren Sie nach Ambazac?" den Todesstoß zu versetzen.. Anschließend redete er langsam und ganz ruhig, wie ein Arzt, der seine Diagnose erklärt, auf mich ein. Sehen Sie, Herr Nachbar, sagte er, eine Partnerschaft, die Blühen und Gedeihen soll, wird nie funktionieren, wenn nur die von ganz oben oder die Vereine am Ball sind. Sicher wird dabei auch die eine oder andere Freundschaft aufgebaut und erhalten, aber wir, das Fußvolk, bringen, erst die Erfüllung der Idee und Leben in die Bude. Die Sorgen der Arbeiter und Angestellten mit Ihren Familien, wenn es um Arbeitsplätze, Umweltschutz, Gesundheit und die „kleinen Nöte" des täglichen Lebens geht, die kleinen Gewerbetreibenden, denen es immer mehr an die Gurgel geht, Handwerker

und Landwirte, die den Kram am liebsten hinwerfen würden. In all diesen Dingen sind Franzosen und Deutsche nicht weit auseinander, da kann man diskutieren, Vorschläge machen und hier und da vielleicht auch helfen. Das verstehe ich unter Partnerschaft, sagte mein Nachbar, und nicht nur Betriebsausflüge von Vereinen und Rathäusern! Nun gut, sagte ich, da ist was dran, und da ich zwei Mal im Jahr in Portugal bin, mit kleinem Wohnmobil, warum auf dem Rückweg nicht einmal eine andere Route heimwärts nehmen? Auch die Auskunft eines ehemaligen Bürgermeisters, wo denn Ambazac läge, konnte mich nicht abhalten sondern nur für kurze Zeit verwirren. Zur Entschuldigung meinte er: Wir sind ja immer gefahren worden, da achtet man nicht so auf die Straße. Aber mit dem Hinweis auf die Stadt Limoges und einer guten Straßenkarte wurde Ambazac bald geortet.

C'est la, question plutôt directe que me posa mon voisin de table, il y a2 ans à la fête d 'Oberschöllenbach. „Bien sûr que je connais Ambazac" lui répondis-je, quelque peu vexe. „Enfin, nous lisons attentivement. toutes les semaines notre Wochenblatt, le petit journal de notre commune et puis notre maire s'est souvent rendu à Ambazac et les conseillers municipaux aussi ; il y a eu réception et buffet froid, comme il se doit. Et les Français sont venus chez nous, avec réception, drapeaux ä la mairie et buffet froid ... oui, nous sommes au courant, c'était écrit dans le journal." Mais vous", répéta mon voisin, „vous connaissez personnellement Ambazac ?". Mon Dieu qu'il était têtu ! „Mon bon Monsieur", lui dis-je légèrement en colère, „nos pompiers y sont allés, leurs pompiers sont venus ici, l'amicale des pêcheurs, les footballeurs, le club sportif, la chorale, les philatélistes, les joueurs d'échecs, les défenseurs des vers de terre, et même des élèves, ils sont tous allés à Ambazac et les Français sont venus chez nous, je l'ai lu, an est bien informe, non ?"

Son discours m'avait épuisé. Je regardai alors en direction de ma chope de bière, mon voisin se concentra quelques instants et me lança alors la question qui allait m’achever : „Et vous, vous allez ä Ambazac avec quelle association ?" Puis il se mit à parié lentement et calmement, tel un médecin qui explique son diagnostic, comme pour me persuader.

„Voyez vous, cher voisin, si vous voulez qu'un jumelage fonctionne et s'intensifie, ii ne faut pas que seuls ceux qui sont tout en haut, que seuls les clubs et associations mènent le jeu. Bien sûr, il se peut que des amitiés naissent et que des contacts se maintiennent mais en fait, seuls nous qui formons le petit peuple, apportons vie et dynamisme au projet: les ouvriers, les employés, leurs familles avec leurs soucis quotidiens comme le chômage, l’environnement, la santé, les chefs des petites entreprises qui se sentent pris ä la gorge, les artisans et les agriculteurs qui ont envie de tout lâcher. Dans ces domaines, les Français et les Allemands ne sont pas tellement différents, an peut discuter, se donner des idées et même pourquoi pas, s'aider. C'est Ce que j'entends par jumelage" dit mon voisin „pas seulement des petits voyages à l’étranger pour associations et conseils municipaux !" „D'accord" répondis-je „il y a du juste dans ce que vous dites." Et comme je vais deux fois au Portugal avec mon mobil home, pourquoi ne prendrais-je pas une autre route pour le retour ? pensai-je. Je demandai ä un ancien maire où Ambazac se trouvait, mais sa réponse ne fit que me troubler pour un certain temps. (II s'excusa en disant qu'on les y avait toujours emmenés en autocar et qu'il n'avait jamais fait attention ä la route.) Mais j'étais décidé ! Comme il m'avait indique la ville de Limoges et que j'avais une Bonne carte routière, je n'eus pas de peine à découvrir Ambazac.

Jetzt kenne ich Ambazac! Et maintenant je connais Ambazac !

Um endlich einmal herauszufinden, wo unsere Partnerstadt liegt und wie es dort aussieht, eventuell mich mit einigen Leuten zu unterhalten, kürzte ich meinen Portugalurlaub um eine Woche und fuhr im Juni '91, von der Algarri kommen, über Burgos, San Sebastian, Biarritz und Bordeaux nach Ambazac, wo ich am frühen Abend des zweiten Reisetages eintraf. Nach verlassen des Supermarktes fiel mir der Hinweis auf einen Campingplatz ins Auge, für einen Campingbusfahrer sofort ein Muss hinzufahren. Ja, dann war ich endlich am Ziel, einer der landschaftlich schönsten Campingplätze, die ich je gesehen hatte, etwa 60 Stellplätze terassenförmig über einem gar nicht so kleinem See mit Badestelle, alles umrahmt von gesundem Laubwald einschließlich Sonnenuntergang gegenüber. Bade- und Waschhaus, Toiletten und eine Telefonzelle auf dem Grundstück (leider nur mit Telefonkarte), Stromanschluss und Beleuchtung an vielen Stellplätzen. Für interessierte Camper und Zeltler, Plätze bis Ende Juni und dann wieder ab Anfang September ohne Anmeldung für Eckentaler kostenlos! (In der Saison Juli/August bitte im Rathaus Ambazac anmelden, es gibt Sonderpreise). Wenig später, frisch geduscht und umgezogen, zurück nach Ambazac, ca. 15 km, hinein ins pralle Nachtleben. Da nach der langen Fahrt die Austrocknung des Körpers gefährlich fortgeschritten war, erste Station das kleine Bistro am Marktplatz. Nach dem dritten Pils schaute mir Madame Grandelement, die Besitzerin des Bistros, tief in die Augen und fragte: "Du Eckental?". Leider die beiden einzigen Worte Deutsch von Madame. Auch die Einbeziehung der Bedienung mit Ihren Englischkenntnissen brachte keine zufriedenstellende Konversation zu Wege. Dann, ein kurzer Aufschrei von Madame, Ihr Griff zum Telefon, einige Sätze in rasendem Französisch und siehe da, keine 15 Minuten später eine Stimme in meinem Rücken „astreines Deutsch": „Sind sie der Herr aus Eckental?" So lernte ich Ruth, ein Schwarzwaldmädel, kennen. Ruth war vor vielen Jahren in Frankreich hängen geblieben, hat dort ihren Lucien geheiratet und ist die

erste Hilfe, wenn's mal nicht mehr weitergeht. Zum Essen und zum ersten Kennenlernen gingen wir zu „Pinot", ein kleines Hotel mit Restaurant; ja, und was soll ich sagen, im Laufe der Woche ging die Post ab. Mit Ruth und Lucien eine kleine Rundfahrt durch Limousin, dann Besuch beim Chef der Partnerschaft Ambazac, Ms. Gerard; Gabriel mit seiner Frau Anne, Marie vom Fischereiverein einige Leute von der Feuerwehr und, als Krönung, die Teilnahme am Johannisfeuer unten am See. Weinbuden, Imbiss, kleine Disco und als Abschluss ein großes Feuerwerk. Nach dieser erlebnisreichen und wunderschönen Woche dann. noch ein Picknick auf dem Campingplatz. Alle, die ich schon kannte, kamen, und es wurde ein wunderschöner Abend, da auch Petrus mitspielte. Am nächsten Morgen Heimfahrt mit leichtem Brummschädel und schon die Vorfreude auf die nächsten Begegnungen, die in Ambazac und Eckental stattfinden. Inzwischen gibt es bei uns auch schon einen „Freundeskreis Ambazac" und es wäre schön, wenn auch Sie einmal dazukämen, und vielleicht bald sagen können, „Jetzt kenne ich Ambazac"!

R. Eggert, Eckental, 1992

Pour enfin savoir ou se trouve la ville jumelée à notre commune et aussi à quoi elle ressemble et éventuellement pour parler avec quelques personnes, je raccourcis mes vacances au Portugal d'une semaine et âpres être passe par Burgos, San Sébastian, Biarritz et Bordeaux, j'arrivai à Ambazac en début de soirée. En sortant du supermarché, je tombai sur une pancarte indiquant un terrain de camping. II fallait que j'y aille, normal pour un chauffeur de camping-car ! Je découvris un des plus jolis terrains de camping que j'aie jamais vu, de 60 emplacements environ, construit en terrasses dominant un lac assez grand pour s'y baigner, dans un cadre de verdure magnifique, avec coucher de soleil en supplément. Sur le terrain môme, sanitaires, toilettes, cabine téléphonique (malheureusement une carte de téléphone est nécessaire), raccords électriques et éclairage à de nombreux emplacements. (Pour campeurs d’Eckental, places gratuites sans réservation de septembre à fin juin. En saison, c.a.d. en juillet/août, il faut réserver à la mairie d'Ambazac, il y a des tarifs spéciaux.)

Un peu plus tard, après avoir pris une bonne douche et m'être changé, je partis en direction d'A., à 15 km de là pour voir la petite ville „by night". Déshydraté à un tel point que cela devenait dangereux pour ma sante, je m'arrêtai tout d'abord au petit bistrot situe sur la place. Apres avoir bu ma troisième bière, Mme Grand clément, la propriétaire me regarda droit dans les yeux et demanda : « Du Ekkental ? » - les deux seuls mots d'allemand qu'elle connaissait. Malgré l'intervention de la serveuse possédant des connaissances d'anglais, nous n'arrivâmes pas à engager la conversation. Puis tout à coup une exclamation de Mme Grand clément, qui décrocha le téléphone,. prononça à toute allure quelques phrases en français et à peine un quart d'heure plus tard, j'entendis une voix dans mon dos, dans un allemand parfait : « Sind Sie der Herr aus Eckental ? » C'est ainsi que je fis la connaissance de Ruth, originaire de la Forêt Noire, venue en France il y a bien des

années, qui s'est mariée ici avec Lucien et qui nous est d'un grand secours quand rien ne va plus. Pour faire plus ample connaissance, an partit manger dans un restaurant „chez Pinot" et à partir de ce moment-là, ce fut fantastique: avec Ruth et Lucien un petit tour à travers le Limousin, puis une visite chez le responsable du jumelage Mr Gérard, chez Gabriel et sa femme Anne-Marie de l'amicale des pêcheurs, quelques pompiers et le bouquet, ce fut le feu de la Saint Jean, en bas près du lac, avec différents stands, une petite discothèque et pour finir un grand feu d'artifice.

Apres cette semaine pleine de découvertes et de nouvelles impressions, j'organisai sur le terrain de camping un petit pique-nique où vinrent tous ceux dont j'avais fait la connaissance. Soirée réussie, d'autant plus que Saint. Pierre fut très clément. Le lendemain, la tête un peu lourde, je pris le chemin du retour, tout heureux à l'idée de retrouver mes amis à Eckental ou à Ambazac. Entre-temps, un comité de jumelage s'est créé à Eckental. Ce serait bien si vous veniez nous rejoindre et peut-être qu'un jour, vous pourrez dire aussi : « Maintenant, je connais Ambazac. »

R. Eggert, Eckental, 1992